In deutschen Drogerien und Apotheken füllen Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenextrakte ganze Regale. Die Versprechen reichen von mehr Energie über besseren Schlaf bis zu einem starken Immunsystem. Doch während die einen regelmäßig zu Magnesium, Vitamin D oder Multivitaminpräparaten greifen, fragen sich andere, ob der Körper diese Pillen überhaupt braucht. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte: Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll sein, ersetzen aber keine ausgewogene Ernährung.
Grundsätzlich gilt: Wer sich abwechslungsreich ernährt, nimmt in der Regel alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge auf. Frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Milchprodukte und gelegentlich Fisch liefern Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe im natürlichen Verbund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont deshalb, dass Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Erwachsene meist überflüssig sind. Eine bunte Lebensmittelauswahl ist die beste Basis – nicht nur wegen einzelner Vitamine, sondern wegen des Zusammenspiels vieler Stoffe.
Dennoch gibt es Situationen, in denen eine gezielte Ergänzung medizinisch empfohlen wird. Dazu zählt Vitamin D im Winterhalbjahr, wenn die Haut durch die schwache Sonneneinstrahlung kaum Vitamin D bilden kann. Auch Folsäure ist für Frauen mit Kinderwunsch und in der Frühschwangerschaft wichtig, um Fehlbildungen beim Kind vorzubeugen. Menschen, die sich vegan ernähren, benötigen Vitamin B12, da dieses fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Bei nachgewiesenem Eisenmangel oder einem niedrigen Ferritinwert kann ebenfalls eine zeitlich begrenzte Einnahme sinnvoll sein.
Auf der anderen Seite sind Nahrungsergänzungsmittel keineswegs immer harmlos. Vor allem fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K kann der Körper speichern; bei dauerhaft hoher Dosierung drohen Überdosierungen mit teils ernsten Folgen. Auch Mineralstoffe wie Eisen oder Zink können bei Überdosierung den Stoffwechsel stören oder andere Nährstoffe verdrängen. Zudem gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten – etwa zwischen Vitamin K und Blutverdünnern oder zwischen Johanniskraut und der Antibabypille. Wer regelmäßig Präparate einnimmt, sollte dies daher ärztlich abklären.
