Das Mikrobiom: Wie Billionen Bakterien unsere Gesundheit lenken

Von: Josip Keller

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Der menschliche Körper besteht aus etwa 30 Billionen Zellen – doch die Zahl der Mikroorganismen, die auf und in ihm leben, ist mindestens ebenso groß. Bakterien, Viren, Pilze und Archaeen besiedeln Haut, Mund, Atemwege und vor allem den Darm. Dieses komplexe Ökosystem wird als Mikrobiom bezeichnet. Lange wurde es unterschätzt, doch heute gilt es als eine Art zweites Genom, das entscheidend beeinflusst, wie wir verdauen, denken und krank werden.

Der Darm beherbergt die dichteste mikrobielle Gemeinschaft des Körpers. Dort helfen Bakterien nicht nur bei der Verdauung von Ballaststoffen, sondern produzieren auch kurzkettige Fettsäuren, die die Darmschleimhaut ernähren und Entzündungen hemmen. Zudem synthetisieren bestimmte Darmbakterien wichtige Vitamine wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine. Ohne diese mikrobiellen Helfer könnte der Körper viele Nährstoffe gar nicht aufschließen. Ein gesundes Darmmikrobiom ist daher Grundlage für eine gute Nährstoffversorgung.

Besonders faszinierend ist die Verbindung zwischen Darm und Gehirn, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem und kommuniziert über Botenstoffe, Hormone und den Vagusnerv mit dem Gehirn. Studien zeigen, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms mit Stress, Angst und Depressionen zusammenhängen kann. Bestimmte Bakterienstämme produzieren Vorstufen von Serotonin und Dopamin, die das Wohlbefinden beeinflussen. Umgekehrt kann psychischer Stress die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Auch das Immunsystem wird in erheblichem Maße durch das Mikrobiom geprägt. Rund 70 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darm, wo sie ständig mit Bakterien interagieren. Eine vielfältige Mikrobiota trainiert das Immunsystem, zwischen harmlosen Mikroben und gefährlichen Krankheitserregern zu unterscheiden. Ist die mikrobielle Vielfalt gestört, steigt das Risiko für Autoimmunerkrankungen, Allergien und chronische Entzündungen. Eine gesunde Darmflora wirkt dagegen wie ein Schutzschild.

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