Autor

Josip Keller

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In einer Gesellschaft, in der Leistung, Erreichbarkeit und ständige Produktivität oft als höchste Werte gelten, gerät die freie Zeit leicht unter Druck. Hobbys werden dann schnell als unnötiger Luxus oder reine Ablenkung betrachtet. Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass ein erfüllendes Hobby weit mehr ist als bloßer Zeitvertreib. Es wirkt wie ein innerer Ausgleich, stärkt die psychische Widerstandskraft und kann sogar körperliche Gesundheit fördern. Wer regelmäßig einer selbstgewählten Tätigkeit nachgeht, lebt nicht nur zufriedener, sondern oft auch gesünder.

Einer der wichtigsten Effekte von Hobbys ist die Erfahrung des sogenannten Flow. Dabei handelt es sich um einen Zustand völliger Vertiefung, in dem das Zeitgefühl verschwindet und alle Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit gerichtet ist. Ob beim Musizieren, Malen, Klettern oder Kochen – Flow-Erlebnisse reduzieren nachweislich Stresshormone und fördern das Wohlbefinden. Sie geben dem Geist eine Pause vom Grübeln und von alltäglichen Sorgen. Schon wenige Stunden pro Woche in solch einem Zustand können die mentale Gesundheit deutlich stabilisieren.

Auch körperlich profitieren viele Menschen von aktiven Hobbys. Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen verbessern die Ausdauer, stärken das Herz-Kreislauf-System und beugen Zivilisationskrankheiten vor. Dabei ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Sport, dass ein Hobby ohne Leistungsdruck ausgeübt wird. Die Bewegung geschieht aus Freude und nicht aus Pflicht, was die Motivation langfristig erhöht. Wer eine Aktivität findet, die ihm wirklich Spaß macht, bleibt eher dabei als bei einem verordneten Fitnessprogramm.

Nicht zu unterschätzen ist die soziale Komponente. Viele Hobbys lassen sich in Gruppen ausüben – vom Chor über den Töpferkurs bis zum gemeinsamen Gärtnern in einem Kleingartenverein. Solche Gemeinschaften schaffen Kontakte, die über das übliche berufliche oder familiäre Umfeld hinausgehen. Sie bieten Austausch, Unterstützung und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Gerade in Zeiten zunehmender Vereinsamung sind Hobbys eine niederschwellige Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen und tragfähige Freundschaften zu schließen.

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Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, gibt es kaum etwas Wohltuenderes als einen dampfenden Teller Suppe oder einen herzhaften Eintopf. Diese Gerichte wärmen von innen, sind meist preiswert, lassen sich gut vorbereiten und schmecken am nächsten Tag oft noch besser. Von der klassischen Kartoffelsuppe über Linseneintopf bis zur Kürbissuppe reicht die Vielfalt, die mit einfachen Zutaten und wenig Aufwand gelingt. Eintöpfe sind zudem ideal, um Gemüsereste zu verwerten und viele Nährstoffe aufzunehmen.

Die Basis fast jeder guten Suppe ist ein aromatisches Fundament aus Zwiebeln, Knoblauch und oft auch Karotten und Sellerie. Dieses sogenannte Suppengrün wird in etwas Öl oder Butter angedünstet, bis es weich ist und duftet. Erst dann kommen Flüssigkeit, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln hinzu. Das Anbraten erzeugt Röstaromen, die der Suppe Tiefe verleihen. Wer es eilig hat, kann auch direkt alles in den Topf geben, aber das Anschwitzen lohnt sich geschmacklich fast immer.

Ein zeitloser Klassiker ist die Kartoffelsuppe. Dafür werden Kartoffeln, Lauch, Möhren und Sellerie grob gewürfelt und in Butter angedünstet. Mit Gemüsebrühe aufgegossen und etwa zwanzig Minuten gekocht, bis das Gemüse weich ist. Ein Teil der Suppe wird püriert, um eine cremige Konsistenz zu erhalten, während einige Kartoffelstücke für den Biss erhalten bleiben. Mit Majoran, Muskat, Salz und Pfeffer gewürzt und optional mit Würstchen oder Speck serviert, ist sie ein sättigendes Essen für die ganze Familie.

Linseneintopf ist ein weiterer wärmender Klassiker, der besonders in der schwäbischen Küche Tradition hat. Tellerlinsen werden mit Kartoffeln, Möhren, Lauch und Sellerie in Brühe gegart. Typische Gewürze sind Lorbeer, Thymian, Essig und etwas Senf. Der Essig wird erst am Ende zugegeben, da er sonst das Weichwerden der Linsen verzögert. Mit Würstchen oder Räuchertofu wird der Eintopf zu einer vollwertigen Mahlzeit, die am zweiten Tag fast noch besser schmeckt, wenn die Aromen durchgezogen sind.

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Nach einem langen Arbeitstag fehlt oft die Energie, um aufwendig zu kochen. Gleichzeitig möchte man sich nicht jeden Abend von Fertigprodukten ernähren. Die Lösung ist eine schnelle, aber dennoch ausgewogene Feierabendküche, die mit wenigen Zutaten und kurzen Garzeiten auskommt. Mit ein paar Grundtechniken und cleverer Vorbereitung lassen sich in einer halben Stunde Gerichte zaubern, die frisch, gesund und voller Geschmack sind – ganz ohne Stress und große Spülberge.

Das erste Gericht ist eine cremige One-Pot-Pasta mit Tomaten, Spinat und Feta. Dafür werden in einem Topf zunächst Knoblauch und Zwiebeln in Olivenöl angedünstet. Dann kommen ungekochte Nudeln, passierte Tomaten, Gemüsebrühe, getrocknete Kräuter und etwas Wasser hinzu. Alles wird zum Kochen gebracht und unter gelegentlichem Rühren etwa zwölf bis fünfzehn Minuten geköchelt, bis die Nudeln al dente sind und die Flüssigkeit fast vollständig aufgesogen ist. Zum Schluss werden frischer Spinat und gewürfelter Feta untergehoben. Das Gericht braucht nur einen Topf und ist in 25 Minuten fertig.

Eine zweite schnelle Option ist ein asiatisch inspiriertes Gemüsepfanne mit Reis oder Glasnudeln. Während der Reis kocht, werden Paprika, Zucchini, Karotten, Brokkoli und Frühlingszwiebeln in einer heißen Pfanne oder einem Wok kurz und bissfest angebraten. Für die Sauce werden Sojasauce, ein Spritzer Limettensaft, etwas Honig, geriebener Ingwer und Knoblauch verrührt. Das Gemüse wird mit der Sauce glasiert, mit Sesam und frischem Koriander bestreut und auf dem Reis serviert. Wer mag, brät noch Streifen von Hähnchenbrust oder Tofu mit an – das dauert nur wenige Minuten länger.

Das dritte Blitzgericht ist ein herzhaftes Pfannenbrot mit Belag. Ein einfacher Teig aus Mehl, Joghurt, Backpulver und Salz wird in wenigen Minuten geknetet und in einer beschichteten Pfanne von beiden Seiten goldbraun gebacken. Während das Brot backt, werden Tomaten, Rucola, Schafskäse, Oliven und rote Zwiebeln vorbereitet. Das fertige Pfannenbrot wird mit Hummus oder Frischkäse bestrichen und mit dem Salat belegt. Alternativ kann es in Stücke gerissen und zu einem schnellen Gemüsecurry gereicht werden.

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Das Frühstück gilt als wichtigste Mahlzeit des Tages, doch im Alltag bleibt oft nur Zeit für eine schnelle Scheibe Toast oder einen Kaffee im Stehen. Dabei muss ein gutes Frühstück weder aufwendig noch langweilig sein. Mit ein paar Grundzutaten und etwas Planung lässt sich jeden Morgen eine Mahlzeit zaubern, die Energie liefert, den Blutzucker stabil hält und Lust auf den Tag macht. Ob süß oder herzhaft, warm oder kalt – die Auswahl ist größer als gedacht.

Ein gesundes Frühstück sollte komplexe Kohlenhydrate, hochwertiges Eiweiß und gesunde Fette kombinieren. Vollkornprodukte, Haferflocken, Joghurt, Eier, Nüsse, Samen und Obst sind ideale Bausteine. Sie sättigen länger als Weißmehlprodukte oder stark gezuckerte Cerealien und verhindern den berüchtigten Heißhunger am Vormittag. Wer morgens wenig Zeit hat, kann auf Meal Prep setzen: Overnight Oats, Chia-Pudding oder vorbereitete Eiermuffins lassen sich am Abend zuvor zubereiten und am Morgen direkt genießen.

Für die süße Variante sind Overnight Oats ein Klassiker. Dafür werden Haferflocken mit Milch, Pflanzendrink oder Joghurt vermischt und über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Am Morgen quellen sie zu einer cremigen Masse auf. Toppings wie Beeren, geriebener Apfel, Zimt, Nussmus, Leinsamen oder ein Löffel Honig sorgen für Abwechslung. Auch warmes Porridge ist in zehn Minuten gekocht: Haferflocken mit Flüssigkeit aufkochen, nach Belieben mit Banane, Kakao oder Vanille verfeinern und mit gehackten Nüssen bestreuen.

Wer es lieber herzhaft mag, für den ist ein Avocado-Toast mit pochiertem oder gebratenem Ei eine schnelle und nährstoffreiche Option. Vollkornbrot wird getoastet, mit zerdrückter Avocado bestrichen, mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Chiliflocken gewürzt und mit einem Ei belegt. Noch schneller geht ein Rührei mit Tomaten, Frühlingszwiebeln und Kräutern. Reste vom Vorabend – etwa geröstetes Gemüse oder Kartoffeln – lassen sich zu einem herzhaften Frühstückspfanne verarbeiten, die mit Spiegelei und Feta serviert wird.

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Gewürze und Kräuter sind die Seele jeder Küche. Sie verwandeln einfache Zutaten in aromatische Gerichte, geben regionalen Küchen ihren Charakter und können sogar gesundheitliche Vorteile bieten. Doch die Vielfalt an Töpfchen, Tüten und frischen Bündeln wirkt oft überwältigend. Wer ein paar Grundprinzipien der Aromenkombination versteht, kocht selbstbewusster und kreativer – ohne ständig Rezepte nachschlagen zu müssen. Der Schlüssel liegt im Verständnis von Aromaprofilen und in der richtigen Dosierung.

Frische Kräuter lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: weiche und harte. Weiche Kräuter wie Basilikum, Petersilie, Dill, Koriander und Schnittlauch entfalten ihr Aroma am besten roh oder nur kurz erhitzt. Sie sollten erst am Ende der Garzeit zugegeben oder über das fertige Gericht gestreut werden, damit ihre ätherischen Öle nicht verfliegen. Harte Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano und Lorbeer vertragen dagegen längeres Kochen und entwickeln in Eintöpfen, Saucen und Braten ein tiefes Aroma.

Ein klassisches Prinzip ist das Zusammenspiel von Kräutern mit bestimmten Lebensmitteln. Basilikum passt hervorragend zu Tomaten, Mozzarella, Pasta und mediterranem Gemüse; seine leicht süßliche Note harmoniert mit Knoblauch und Olivenöl. Thymian und Rosmarin sind ideale Begleiter für Lamm, Rind, Kartoffeln und kräftige Bohnengerichte. Dill ergänzt Fisch, Gurken, Joghurt und helle Saucen, während Salbei besonders gut mit Butter, Kalb, Kürbis und gnocchiartigen Teigwaren funktioniert. Petersilie ist ein Allrounder, der fast jedem herzhaften Gericht Frische verleiht.

Auch bei gemahlenen Gewürzen gibt es bewährte Kombinationen. Kreuzkümmel und Koriander bilden die Basis vieler orientalischer und indischer Gerichte; sie passen zu Linsen, Kichererbsen, Lamm und geröstetem Gemüse. Paprikapulver in seinen Varianten – edelsüß, rosenscharf oder geräuchert – bringt Wärme und Farbe in Eintöpfe, Gulasch und Ofengemüse. Muskatnuss ist unverzichtbar in Kartoffelpüree, Béchamelsauce und Spinat, während Zimt nicht nur süße Speisen, sondern auch orientalische Fleischgerichte und Tomatensaucen verfeinert.

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Das Wiener Schnitzel ist weit mehr als nur ein paniertes Stück Fleisch – es ist ein Stück österreichisch-deutscher Esskultur, das bei richtiger Zubereitung außen knusprig und innen zart sein sollte. Der Klassiker besteht traditionell aus Kalbfleisch, das hauchdünn geschnitten, sorgfältig geklopft, paniert und in reichlich Butterschmalz schwimmend goldbraun ausgebacken wird. Wer einige Grundregeln beachtet, kann das Gericht auch zu Hause auf Restaurantniveau bringen und damit Familie oder Gäste beeindrucken. Entscheidend sind Fleischqualität, Paniermehl, Fett und Temperatur.

Zunächst das Fleisch: Für ein originales Wiener Schnitzel wird Kalbsoberschale oder Kalbsrücken verwendet. Die Scheiben sollten etwa vier bis fünf Millimeter dick sein, damit sie nach dem Klopfen die typische große, flache Form erhalten. Wer kein Kalbfleisch bekommt oder eine günstigere Variante bevorzugt, kann auch auf Schweine- oder Putenfleisch zurückgreifen – dann spricht man streng genommen von Schnitzel Wiener Art. Das Fleisch sollte Zimmertemperatur haben, bevor es verarbeitet wird, damit es beim Braten gleichmäßig gart.

Das Klopfen ist ein entscheidender Schritt, denn es macht das Fleisch nicht nur dünner, sondern lockert auch die Muskelfasern auf. Am besten legt man die Scheiben zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie und klopft sie mit einem flachen Fleischklopfer vorsichtig von innen nach außen. Die Dicke sollte am Ende nur noch zwei bis drei Millimeter betragen, ohne dass das Fleisch reißt. Anschließend werden beide Seiten leicht gesalzen – aber erst direkt vor dem Panieren, damit das Salz dem Fleisch nicht vorzeitig Wasser entzieht.

Für die Panierstraße werden drei flache Teller vorbereitet: einer mit Mehl, einer mit verquirltem Ei und einer mit Semmelbröseln. Wichtig ist, dass das Mehl gut abgeklopft wird, bevor das Schnitzel ins Ei kommt, sonst wird die Panade ungleichmäßig. Beim Eintauchen in das Ei sollte das Fleisch vollständig benetzt sein, aber nicht tropfen. Danach wird es in den Bröseln gewendet und leicht angedrückt. Die Panade haftet besser, wenn die Semmelbrösel fein und trocken sind; grobe Brösel fallen beim Braten leichter ab.

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Antibiotika gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin. Sie haben unzählige Leben gerettet und Operationen, Krebstherapien und Transplantationsmedizin erst möglich gemacht. Doch ihre Wirksamkeit schwindet. Immer mehr Bakterien entwickeln Resistenzen, die sie unempfindlich gegen gängige Wirkstoffe machen. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenzen zu den größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Fachleute sprechen bereits von einer stillen Pandemie.

Resistenzen entstehen durch natürliche Evolution. Bakterien vermehren sich extrem schnell und verändern ihr Erbgut ständig. Zufällige Mutationen können dazu führen, dass ein Bakterium ein Antibiotikum überlebt. Dieser resistente Klon vermehrt sich weiter, während empfindliche Bakterien absterben. Zusätzlich können Bakterien Resistenzgene horizontal übertragen – über Plasmide oder Viren –, selbst zwischen verschiedenen Arten. Dadurch verbreiten sich Resistenzen rasend schnell in Kliniken, Tierställen und der Umwelt.

Die Hauptursache für die Zunahme von Resistenzen ist der übermäßige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika. In der Humanmedizin werden sie oft bei viralen Infekten verschrieben, obwohl sie dort wirkungslos sind. In der Tierhaltung wurden sie lange als Wachstumsförderer eingesetzt, was in der EU inzwischen verboten ist, in anderen Ländern aber weiterhin praktiziert wird. Über Abwässer und Gülle gelangen Antibiotika und resistente Keime in Böden, Flüsse und Grundwasser. So entsteht ein globales Problem.

Die Folgen sind dramatisch. Infektionen mit multiresistenten Erregern wie MRSA oder gramnegativen Bakterien mit ESBL sind oft nur noch schwer behandelbar. Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Harnwegsinfekte können wieder lebensbedrohlich werden. Routineeingriffe wie Kaiserschnitte, Hüftoperationen oder Chemotherapien wären ohne wirksame Antibiotika mit einem hohen Infektionsrisiko verbunden. Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr weltweit über eine Million Menschen direkt an resistenten Infektionen sterben – Tendenz steigend.

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Das James-Webb-Weltraumteleskop, kurz JWST, ist das ambitionierteste Weltraumobservatorium der Geschichte. Nach jahrzehntelanger Planung, zahlreichen Verzögerungen und Kostenexplosionen startete es im Dezember 2021 an Bord einer Ariane-5-Rakete. Seit dem Sommer 2022 liefert es atemberaubende Bilder und Daten, die unser Bild vom Kosmos grundlegend verändern. Als Nachfolger des Hubble-Teleskops beobachtet es im Infrarotbereich und kann dadurch viel weiter in die Vergangenheit blicken als je zuvor.

Technisch ist das JWST ein Meisterwerk. Sein Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 6,5 Metern und besteht aus 18 sechseckigen, goldbeschichteten Berylliumsegmenten, die sich im All millimetergenau ausrichten mussten. Ein tennisplatzgroßes Sonnenschild schützt die Instrumente vor der Wärme von Sonne, Erde und Mond und kühlt sie auf etwa minus 233 Grad Celsius. Nur so kann das Teleskop die schwache Infrarotstrahlung ferner Galaxien empfangen. Stationiert ist es am Lagrange-Punkt L2, rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Eine der zentralen Aufgaben des JWST ist die Beobachtung der ersten Galaxien, die nach dem Urknall entstanden. Weil sich das Universum ausdehnt, wird das Licht dieser Objekte ins Infrarote verschoben – ein Effekt, für den Hubble weitgehend blind war. Das JWST hat bereits Galaxien entdeckt, die nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall existierten. Diese Funde stellen bestehende Modelle der Galaxienentstehung infrage, da die frühen Strukturen unerwartet groß und hell erscheinen.

Auch bei der Erforschung von Exoplaneten setzt das JWST neue Maßstäbe. Es kann das Licht von Sternen analysieren, das durch die Atmosphären vorbeiziehender Planeten fällt, und daraus die chemische Zusammensetzung bestimmen. So wurden bereits Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan und sogar Hinweise auf Schwefeldioxid in Atmosphären fremder Welten gefunden. Besonders spannend sind erdähnliche Planeten in der habitablen Zone, wo flüssiges Wasser möglich ist. Die Suche nach Biosignaturen – chemischen Spuren von Leben – hat damit eine neue Qualität erreicht.

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Die Entdeckung von CRISPR/Cas9 gehört zu den größten wissenschaftlichen Durchbrüchen des 21. Jahrhunderts. Was ursprünglich als bakterielles Abwehrsystem gegen Viren entdeckt wurde, hat sich binnen weniger Jahre zum präzisesten Werkzeug der Gentechnik entwickelt. Im Jahr 2020 erhielten Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna dafür den Nobelpreis für Chemie. Mit CRISPR/Cas9 können Wissenschaftler Erbgut gezielt schneiden, verändern und reparieren – schneller, günstiger und genauer als je zuvor.

Das Prinzip ist verblüffend einfach: Ein kurzes RNA-Molekül dient als Navigationssystem und erkennt eine bestimmte DNA-Sequenz. Das Enzym Cas9 folgt dieser Anleitung und schneidet die DNA an der gewünschten Stelle durch. Anschließend repariert die Zelle den Schnitt – entweder ungenau, wodurch ein Gen ausgeschaltet wird, oder mithilfe einer mitgelieferten Vorlage, wodurch gezielt neue Sequenzen eingefügt werden können. So lassen sich Gene korrigieren, entfernen oder hinzufügen.

In der Medizin eröffnet CRISPR völlig neue Perspektiven. Erste klinische Studien zur Behandlung von Sichelzellanämie und Beta-Thalassämie zeigten bemerkenswerte Erfolge. Dabei werden Blutstammzellen entnommen, genetisch verändert und wieder in den Körper zurückgegeben. Die Patientinnen und Patienten bilden anschließend funktionsfähige rote Blutkörperchen. Auch bei erblich bedingten Erblindungen, Muskelerkrankungen und bestimmten Krebsformen wird die Genschere erprobt. Die Vision: Krankheiten an ihrer genetischen Wurzel heilen.

Auch die Landwirtschaft profitiert von CRISPR. Im Gegensatz zu klassischer Gentechnik werden dabei oft nur einzelne Basenpaare verändert, ohne artfremde Gene einzufügen. Forscher entwickeln so etwa Weizen mit geringerem Glutengehalt, Tomaten, die länger frisch bleiben, oder Reissorten, die Dürre und Salzböden besser vertragen. In vielen Ländern gelten solche genomeditierten Pflanzen als weniger streng reguliert, was die Züchtung beschleunigt. Kritiker mahnen dennoch eine sorgfältige Risikobewertung an.

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Der menschliche Körper besteht aus etwa 30 Billionen Zellen – doch die Zahl der Mikroorganismen, die auf und in ihm leben, ist mindestens ebenso groß. Bakterien, Viren, Pilze und Archaeen besiedeln Haut, Mund, Atemwege und vor allem den Darm. Dieses komplexe Ökosystem wird als Mikrobiom bezeichnet. Lange wurde es unterschätzt, doch heute gilt es als eine Art zweites Genom, das entscheidend beeinflusst, wie wir verdauen, denken und krank werden.

Der Darm beherbergt die dichteste mikrobielle Gemeinschaft des Körpers. Dort helfen Bakterien nicht nur bei der Verdauung von Ballaststoffen, sondern produzieren auch kurzkettige Fettsäuren, die die Darmschleimhaut ernähren und Entzündungen hemmen. Zudem synthetisieren bestimmte Darmbakterien wichtige Vitamine wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine. Ohne diese mikrobiellen Helfer könnte der Körper viele Nährstoffe gar nicht aufschließen. Ein gesundes Darmmikrobiom ist daher Grundlage für eine gute Nährstoffversorgung.

Besonders faszinierend ist die Verbindung zwischen Darm und Gehirn, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem und kommuniziert über Botenstoffe, Hormone und den Vagusnerv mit dem Gehirn. Studien zeigen, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms mit Stress, Angst und Depressionen zusammenhängen kann. Bestimmte Bakterienstämme produzieren Vorstufen von Serotonin und Dopamin, die das Wohlbefinden beeinflussen. Umgekehrt kann psychischer Stress die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Auch das Immunsystem wird in erheblichem Maße durch das Mikrobiom geprägt. Rund 70 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darm, wo sie ständig mit Bakterien interagieren. Eine vielfältige Mikrobiota trainiert das Immunsystem, zwischen harmlosen Mikroben und gefährlichen Krankheitserregern zu unterscheiden. Ist die mikrobielle Vielfalt gestört, steigt das Risiko für Autoimmunerkrankungen, Allergien und chronische Entzündungen. Eine gesunde Darmflora wirkt dagegen wie ein Schutzschild.

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