Doch nicht nur eisige Monde faszinieren. Auch die Venus wurde zeitweise wieder interessant, als Forscher das Gas Phosphin in ihrer Atmosphäre entdeckten. Auf der Erde wird Phosphin vor allem durch biologische Prozesse erzeugt. Allerdings ist die Venus mit Temperaturen um 470 Grad und einem Druck von 90 Bar extrem lebensfeindlich. Die Phosphin-Messungen sind umstritten, und die meisten Wissenschaftler halten eine rein chemische Erklärung für wahrscheinlicher. Trotzdem zeigt der Fall, wie dynamisch die Suche nach Leben ist.
Der Saturnmond Titan wiederum besitzt eine dichte Atmosphäre und Seen aus flüssigem Methan und Ethan. Zwar ist es dort viel zu kalt für Wasser in flüssiger Form, doch einige Forscher spekulieren über exotische Lebensformen, die auf Methan statt Wasser basieren könnten. Die NASA-Mission Dragonfly soll in den 2030er-Jahren mit einem Drohnen-Hubschrauber über die Titan-Oberfläche fliegen und nach präbiotischen Molekülen suchen. Titan könnte so zeigen, wie vielfältig lebensfreundliche Bedingungen sein können.
In den kommenden Jahren stehen mehrere bahnbrechende Missionen an. Die ESA-Sonde JUICE ist bereits unterwegs und wird ab 2031 den Jupiter und seine Eismonde untersuchen. Die NASA-Sonde Europa Clipper startete 2024 und wird ab 2030 Vorbeiflüge an Europa absolvieren. Auch die Mars Sample Return Mission soll Gesteinsproben vom Roten Planeten zur Erde bringen. Diese Proben könnten erstmals direkte Hinweise auf frühere oder sogar gegenwärtige Lebensspuren liefern – wenn sie existieren.
Die Suche nach Leben im Sonnensystem ist also keine Science-Fiction mehr, sondern konkrete Forschung. Selbst wenn am Ende keine Lebewesen gefunden werden, würden wir enorm viel über die Entstehung von Planeten, Ozeanen und organischer Chemie lernen. Sollte dagegen auch nur ein einziges Mikroorganismus außerhalb der Erde entdeckt werden, wäre dies eine der größten wissenschaftlichen Revolutionen der Geschichte. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie einzigartig unsere Erde wirklich ist.
