Die Entwicklung neuer Antibiotika ist schwierig und wirtschaftlich unattraktiv. Viele große Pharmakonzerne haben sich aus dem Bereich zurückgezogen, weil neue Antibiotika nur selten eingesetzt werden und damit wenig Gewinn abwerfen. Zudem ist es immer schwieriger, neue Wirkstoffklassen zu finden. Die meisten neuen Medikamente sind lediglich Abwandlungen bereits bekannter Substanzen. Innovative Ansätze wie die Forschung an völlig neuen Angriffspunkten oder synthetischen Molekülen sind dringend nötig.
Vielversprechend sind alternative Therapien. Die Bakteriophagen-Therapie nutzt Viren, die gezielt Bakterien infizieren und zerstören. In Ländern wie Georgien oder Polen wird sie seit Jahrzehnten angewendet, in Westeuropa gewinnt sie langsam an Akzeptanz. Auch antimikrobielle Peptide, Bakteriocine und der Einsatz von CRISPR/Cas9, um Resistenzgene gezielt zu entfernen, werden erforscht. Zudem rückt das Mikrobiom selbst in den Fokus: Eine gesunde Darmflora kann das Wachstum resistenter Keime unterdrücken.
Auf globaler Ebene gibt es Initiativen wie den One-Health-Ansatz, der menschliche Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt gemeinsam betrachtet. Überwachungsprogramme sollen resistente Erreger früh erkennen, Antibiotika-Verbrauch erfassen und Leitlinien verbessern. In Deutschland gilt seit 2023 eine neue Antibiotika-Resistenzstrategie. Auch im Krankenhausalltag setzen Hygienemaßnahmen, Schnelltests und Antibiotic-Stewardship-Programme darauf, den Einsatz auf das Nötigste zu begrenzen.
Jeder Einzelne kann dazu beitragen, Resistenzen zu verlangsamen. Antibiotika sollten nur nach ärztlicher Verordnung und genau nach Anweisung eingenommen werden – auch wenn die Symptome verschwinden. Reste dürfen nicht aufbewahrt oder weitergegeben werden. Hygienemaßnahmen wie Händewaschen reduzieren die Verbreitung von Keimen. Und beim Fleischkauf hilft es, auf Produkte aus artgerechter Haltung mit geringem Antibiotikaeinsatz zu achten. Die stille Pandemie kann nur gemeinsam eingedämmt werden.
